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Das Gegenteil von Depression ist nicht Freude, sondern Expansion

Aus Gründen der Einfachheit wird in diesem Blogbeitrag auf eine gendergerechte Sprache verzichtet. Alle Menschen, unabhängig vom Geschlecht, sind gleichermaßen angesprochen.

Einleitung

Depression ist eine komplexe und oft missverstandene Erkrankung. Viele Menschen assoziieren das Gegenteil von Depression mit Freude, doch aus der Sicht der Gestalttherapie liegt das wahre Gegenstück in der Expansion. Dieser Ansatz bietet neue Möglichkeiten, die Lebensqualität von Betroffenen zu verbessern.

Was bedeutet Expansion in der Gestalttherapie?

In der Gestalttherapie geht es darum, das Bewusstsein im Hier und Jetzt zu stärken und dadurch Raum für neue Erfahrungen und Perspektiven zu schaffen. Während Depression oft als ein Zustand der Enge und Erstarrung beschrieben wird, zielt die Expansion darauf ab, diesen Raum wieder zu öffnen und das Leben in seiner ganzen Fülle zu erleben.

Was bedeutet Kontraktion?

Kontraktion bezeichnet in der Gestalttherapie den Rückzug und die Fokussierung auf sich selbst, oft als Schutzmechanismus verstanden. Es ist eine Phase, in der man sich zurückzieht, um sich zu erholen, zu reflektieren und neue Energie zu sammeln. Kontraktion kann auch bedeuten, dass man sich vor äußeren Einflüssen abschirmt, um sich zu stabilisieren. Obwohl diese Phase wichtig ist, kann ein zu langes Verweilen in der Kontraktion zu Isolation und Gefühlen der Enge führen, was Depressionen begünstigen kann.

Praktische Tipps zur Förderung der Expansion im Alltag

  • Achtsamkeit üben: Tägliche Achtsamkeitsübungen wie Meditation oder Atemübungen helfen, das Bewusstsein für den gegenwärtigen Moment zu stärken und innere Enge zu lösen.

 

  • Neue Aktivitäten ausprobieren: Seien Sie offen für neue Erfahrungen. Ob ein neues Hobby, ein Kurs oder einfach mal eine andere Route zur Arbeit – all dies kann helfen, den Horizont zu erweitern und neue Perspektiven zu gewinnen.

 

  • Kleine, erreichbare Ziele setzen: Setzen Sie sich realistische Ziele und feiern Sie kleine Erfolge. Dies kann helfen, ein Gefühl der Kontrolle und Erfüllung zu entwickeln.

 

  • Kreative Ausdrucksformen nutzen: Kunsttherapie, Schreiben oder Musik können kraftvolle Mittel sein, um emotionale Enge zu lösen und persönliche Expansion zu fördern. Studien haben gezeigt, dass kreative Medien in der Gestalttherapie besonders effektiv sein können.

 

  • Soziale Verbindungen stärken: Pflegen Sie Ihre Beziehungen und suchen Sie aktiv den Kontakt zu anderen. Soziale Unterstützung ist ein wichtiger Faktor zur Förderung des Wohlbefindens und der Expansion.
Diese Tipps können den Weg in die Expansion fördern und sind gut für den Alltag, diese ersetzen aber natürlich keine Psychotherapie. Bei anhaltenden oder schweren Symptomen möchte ich Sie ermutigen, professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Das Feststecken zwischen Expansion und Kontraktion

Ein weiteres wichtiges Konzept in der Gestalttherapie ist das Erkennen des ständigen Wechsels zwischen expansiven und kontraktiven Zuständen. Dieses Pendeln zwischen den beiden Polen ist natürlich und Teil des menschlichen Erlebens. Allerdings kann ein Feststecken in diesem Wechselspiel zur Erschöpfung und Ermüdung führen und letztlich Depressionen begünstigen.

Wenn Menschen sich nicht zwischen dem expansiven und kontraktiven Pol entscheiden können oder gehemmt sind, kann dies zur Erschöpfung führen. In der Psychotherapie wird ein Rahmen angeboten, sich experimentell zunächst für eine Seite zu entscheiden und dann für die andere.

Hierbei werden Betroffene behutsam begleitet, um zunächst z.B. die Expansion zu erleben und sich zu öffnen. Dies kann durch verschiedene kreative und therapeutische Ansätze geschehen, die es ermöglichen, neue Erfahrungen und Perspektiven zu sammeln. Danach wird die Kontraktion erkundet, um zu verstehen, wann und warum der Rückzug notwendig ist und wie er schützend wirken kann.

Durch dieses bewusste Hin- und Herpendeln können Betroffene einen klareren Blick auf ihre verschiedenen Anteile und deren jeweilige Bedürfnisse gewinnen. Dieser Prozess hilft, ein tieferes Verständnis für sich selbst zu entwickeln, was letztlich zur Entlastung und Klärung beiträgt. Es wird deutlich, dass beide Pole – sowohl Expansion als auch Kontraktion – wichtig sind und in Balance gebracht werden müssen, um ein erfülltes und ausgeglichenes Leben zu führen.

Die Rolle der Gestalttherapie bei der Unterstützung

Die Gestalttherapie bietet eine ganzheitliche Form der Psychotherapie, welche über die bloße Linderung von Symptomen hinausgeht. Sie fördert die Integration von Körper, Geist und Seele und ermutigt dazu, sich selbst als ganzheitliches Wesen wahrzunehmen. Durch die Arbeit an der Bewusstwerdung und der Selbstunterstützung kann die Gestalttherapie helfen, depressive Zustände zu lindern und Raum für persönliches Wachstum zu schaffen.

Ein neuer Weg zur Unterstützung

Durch die Fokussierung auf Expansion statt nur auf Freude können Betroffene lernen, sich aus der Enge der Depression zu befreien und ein erfüllteres Leben zu führen.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Ihnen eine neue Perspektive auf das Krankheitsbild der nicht organischen Depressionen und ihre Behandlung geboten. Wenn Sie Fragen haben oder Interesse an einer Therapie, zögern Sie nicht, Kontakt aufzunehmen.

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Patrick Raulin

Als Heilpraktiker für Psychotherapie und Gestalttherapeut (IGE) unterstütze ich Menschen bei Depressionen, traumatischen Erlebnissen, Angststörungen sowie Anpassungsstörungen. In meiner Praxis für Psychotherapie (HeilprG) und Coaching in Rosenheim begleite ich zudem auch im beruflichen Kontext, bei zwischenmenschlichen und strukturellen Herausforderungen.

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