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Mitten im Leben aus der Spur: Wie Psychotherapie bei Anpassungsstörungen helfen kann

Aus Gründen der Einfachheit wird in diesem Blogbeitrag auf eine gendergerechte Sprache verzichtet. Alle Menschen, unabhängig vom Geschlecht, sind gleichermaßen angesprochen.

Wenn das Leben aus dem Takt gerät

Das Leben ist voller Veränderungen. Manche sind freudig und erwartet, andere kommen plötzlich und reißen uns aus der Bahn. Der Verlust eines geliebten Menschen, ein Jobwechsel, eine schwere Krankheit oder ein Umzug – all diese Ereignisse können uns tiefgreifend beeinflussen und manchmal zu Anpassungsstörungen führen. Doch was genau sind Anpassungsstörungen, und wie kann die Psychotherapie (Gestalttherapie) dabei helfen, wieder in Balance zu kommen?

Was sind Anpassungsstörungen?

Anpassungsstörungen sind psychische Reaktionen auf erhebliche Veränderungen oder belastende Lebensereignisse. Sie äußern sich in emotionalen und Verhaltenssymptomen, die deutlich stärker sind als erwartet und oft zu erheblichen Beeinträchtigungen im täglichen Leben führen. Typische Symptome sind:
  • Anhaltende Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit
  • Angst und Sorgen
  • Reizbarkeit oder Wut
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Soziale Rückzugsverhalten
  • Veränderungen im Ess- oder Schlafverhalten
  Diese Symptome können das Gefühl verstärken, im Leben „festzustecken“ und nicht mehr zurechtzukommen.

Ursachen und Auslöser

Die Ursachen von Anpassungsstörungen sind vielfältig und individuell unterschiedlich. Zu den häufigsten Auslösern zählen:

  • Berufliche Veränderungen: Kündigung, Jobwechsel oder Überforderung im Beruf.
  • Persönliche Verluste: Tod eines nahestehenden Menschen, Trennung oder Scheidung.
  • Gesundheitliche Krisen: Eigene schwere Krankheit oder die eines geliebten Menschen.
  • Lebensveränderungen: Umzug in eine neue Stadt, Eintritt in den Ruhestand oder der Beginn eines neuen Lebensabschnitts wie der Übergang ins Rentenalter.
 

Diese Ereignisse können unser Selbstbild, unsere Lebensumstände und unsere Beziehungen so stark beeinflussen, dass wir uns überfordert und hilflos fühlen.

Gestalttherapie: Ein ganzheitlicher Ansatz

Die Gestalttherapie, entwickelt von Fritz und Laura Perls in den 1940er Jahren, ist ein humanistischer Ansatz, der den Fokus auf das Hier und Jetzt legt. Sie betont die Selbstwahrnehmung und die Interaktion mit der Umgebung, um den Klienten zu helfen, ein tiefes Verständnis ihrer selbst und ihrer Beziehungen zu entwickeln.

Prinzipien der Gestalttherapie

  • Achtsamkeit und Präsenz: Ein zentrales Prinzip der Gestalttherapie ist das Bewusstsein für den gegenwärtigen Moment. Klienten werden ermutigt, ihre aktuellen Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen bewusst wahrzunehmen und anzuerkennen.

  • Ganzheitlichkeit: Gestalttherapie betrachtet den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Seele. Probleme werden nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit der gesamten Lebenssituation des Klienten betrachtet.

  • Selbstregulierung: Die Therapie unterstützt die natürliche Fähigkeit des Menschen, sich selbst zu regulieren und in Balance zu bringen. Durch die Bearbeitung blockierter Gefühle und ungelöster Konflikte können Klienten lernen, ihre eigenen Bedürfnisse besser zu verstehen und zu erfüllen.

  • Kontakt und Beziehung: Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Qualität des Kontakts zu sich selbst und zu anderen. Die Therapie fördert authentische und erfüllende zwischenmenschliche Beziehungen.

Wie kann Psychotherapie (Gestalttherapie) bei Anpassungsstörungen helfen?

  • Achtsamkeit und Selbstwahrnehmung: In der Gestalttherapie wird viel Wert auf das Bewusstsein für gegenwärtige Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen gelegt. Dies hilft den Klienten, ihre Reaktionen auf Stressoren zu verstehen und zu akzeptieren. Ein Bewusstsein für den Moment kann Stress und Angst reduzieren und ermöglicht es, klarer und ruhiger auf Herausforderungen zu reagieren.

  • Emotionale Verarbeitung: Anpassungsstörungen gehen oft mit unterdrückten oder überwältigenden Emotionen einher. Die Gestalttherapie bietet einen sicheren Raum, um diese Gefühle zu erkunden und auszudrücken, was zu einer tiefen emotionalen Erleichterung führen kann. Durch das Ausdrücken von Emotionen in einem geschützten Rahmen können Klienten Belastungen abbauen und ein tieferes Verständnis ihrer emotionalen Reaktionen entwickeln.

  • Integrative Techniken: Die Gestalttherapie nutzt kreative Methoden wie Rollenspiele, Traumdeutung und körperzentrierte Übungen, um Klienten zu helfen, ihre inneren Konflikte zu erkennen und zu lösen. Diese Techniken ermöglichen es, unbewusste Prozesse sichtbar zu machen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entdecken.

  • Förderung der Selbstverantwortung: Ein zentrales Ziel der Gestalttherapie ist es, den Klienten zu ermutigen, Verantwortung für ihr eigenes Wohlbefinden zu übernehmen. Dies stärkt das Selbstbewusstsein und die Fähigkeit, aktiv auf Veränderungen im Leben zu reagieren. Klienten lernen, ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen und für sich selbst einzutreten.

  • Verbesserung zwischenmenschlicher Beziehungen: Da Anpassungsstörungen oft auch soziale Beziehungen belasten, unterstützt die Gestalttherapie dabei, Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern und gesündere Beziehungen aufzubauen. Durch das Arbeiten an Beziehungsmustern und das Entwickeln von Empathie und Verständnis können Beziehungen gestärkt und Konflikte besser gelöst werden.

Ein Fallbeispiel: Sarahs Weg zurück ins Gleichgewicht

Sarah, eine 35-jährige Marketingmanagerin, kam wegen einer schweren Anpassungsstörung in die Praxis für Psychotherapie. Nach einer plötzlichen Kündigung fühlte sie sich wertlos und verloren. Die Unsicherheit und Angst vor der Zukunft hatten sie überwältigt und führten zu Schlaflosigkeit und sozialem Rückzug. Durch die Therapie lernte sie, ihre Angst und Traurigkeit zu erkennen und zu akzeptieren. Mit Hilfe von Rollenspielen konnte sie ihre Gefühle ausdrücken und neue Perspektiven entwickeln. Schritt für Schritt gewann sie ihr Selbstvertrauen zurück und fand den Mut, sich beruflich neu zu orientieren. Sarah entdeckte ihre Leidenschaft für das Schreiben und begann, an ihrer eigenen Buchidee zu arbeiten, was ihr neuen Lebenssinn und Freude brachte.

Fazit: Der Weg zur inneren Balance

Anpassungsstörungen können überwältigend sein, aber sie sind nicht unüberwindbar. Die Gestalttherapie bietet einen kraftvollen Ansatz, um mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen und wieder in Balance zu kommen. Sie fördert das Bewusstsein, die emotionale Verarbeitung und die Selbstverantwortung – Schlüsselkomponenten, um den eigenen Weg gestärkt und selbstbewusst weiterzugehen. Wenn Sie sich in einer Lebenskrise befinden und nach einem ganzheitlichen Ansatz suchen, könnte die Gestalttherapie genau das Richtige für Sie sein. Indem Sie den ersten Schritt machen und sich Unterstützung holen, können Sie beginnen, Ihre innere Stärke wiederzuentdecken und das Leben mit neuen Augen zu sehen. Gestalttherapie kann Ihnen helfen, die Herausforderungen des Lebens zu meistern und Ihr volles Potenzial zu entfalten. Zögern Sie nicht, sich auf diese Reise zu begeben – es könnte der Beginn eines neuen, erfüllteren Lebensabschnitts sein.
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Patrick Raulin

Als Heilpraktiker für Psychotherapie und Gestalttherapeut (IGE) unterstütze ich Menschen bei Depressionen, traumatischen Erlebnissen, Angststörungen sowie Anpassungsstörungen. In meiner Praxis für Psychotherapie (HeilprG) und Coaching in Rosenheim begleite ich zudem auch im beruflichen Kontext, bei zwischenmenschlichen und strukturellen Herausforderungen.

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