Rosenheim ist keine anonyme Großstadt
Rosenheim hat rund 64.000 Einwohnerinnen und Einwohner (Bayerisches Landesamt für Statistik, Stand Ende 2023). Das ist groß genug für viele Praxen und klein genug, um sich zu begegnen: beim Einkaufen, auf dem Max-Josefs-Platz, beim Elternabend oder im Fitnessstudio. Für manche ist genau das ein Grund, eine Therapie aufzuschieben. Was ist, wenn man seinem Therapeuten über den Weg läuft? Und wer erfährt überhaupt, dass man in Behandlung ist? Hier lesen Sie, was Sie dazu wissen sollten und was Sie selbst in der Hand haben.
Begegnungen lassen sich nicht immer vermeiden
Für kleine und ländliche Gemeinden beschreibt eine Übersichtsarbeit solche Überschneidungen zwischen Therapie und Alltag als fast unvermeidlich (Burgard, 2013). Rosenheim ist größer, aber auch hier kennt man sich schnell. Man kauft im selben Laden ein, die Kinder gehen auf dieselbe Schule, man sieht sich beim Sport. Das ist kein Fehler und kein Zeichen mangelnder Diskretion. Entscheidend ist, wie beide Seiten damit umgehen.
Wer grüßt zuerst?
Eine verbreitete Regel lautet: Die Klientin oder der Klient entscheidet. Der US-Psychologe Loren Soeiro beschreibt, dass die meisten Therapeuten aus Gründen der Vertraulichkeit warten, bis Sie sie zuerst grüßen (Psychology Today). Geben Sie kein Zeichen, tut Ihr Gegenüber in der Regel so, als hätte es Sie nicht gesehen. Das ist dann keine Unhöflichkeit, sondern Rücksicht, etwa wenn Sie gerade mit Familie, Kollegen oder Ihrer Chefin unterwegs sind.
Sie dürfen auch freundlich grüßen und weitergehen. Ein kurzes „Servus“ verrät niemandem, woher Sie sich kennen. Und wenn Sie jemand fragt, müssen Sie nichts erklären. „Ein Bekannter“ reicht.
Am einfachsten ist es, das vorher zu klären. In meiner Praxis bespreche ich das mit jeder Klientin und jedem Klienten einzeln: Möchten Sie, dass wir uns draußen grüßen, oder lieber nicht? Das wünscht sich jeder anders, und beides ist in Ordnung. Wenn Sie anderswo in Therapie sind, fragen Sie Ihre Therapeutin oder Ihren Therapeuten ruhig gleich zu Beginn, wie sie oder er solche Begegnungen handhabt.
Wenn es passiert ist: ansprechen
Eine unerwartete Begegnung kann nachwirken. Vielleicht war sie Ihnen peinlich, vielleicht hat sie Sie gefreut, vielleicht hat sie Sie verunsichert. All das darf in der nächsten Sitzung Platz haben. Auch Therapeuten bringen eine solche Begegnung wahrscheinlich in der nächsten Sitzung zur Sprache (Psychology Today). In der Gestalttherapie, mit der ich arbeite, ist das, was zwischen zwei Menschen gerade passiert, ohnehin ein wichtiger Teil der Arbeit.
Schweigepflicht: Auch dass Sie kommen, ist vertraulich
Diskretion beginnt nicht erst beim Inhalt der Gespräche. Für meine Praxis gilt: Über alles, was Sie mir anvertrauen, bewahre ich Stillschweigen. Das gehört zu unserem Behandlungsvertrag und gilt auch für die Tatsache, dass Sie bei mir in Behandlung sind. Wichtig zu wissen: Heilpraktiker gehören nicht zu den Berufen, die in § 53 der Strafprozessordnung ein Zeugnisverweigerungsrecht haben, und sie werden in § 203 des Strafgesetzbuches nicht ausdrücklich genannt. Wenn ein Gericht oder eine Behörde rechtlich verbindlich Auskunft verlangt oder Gefahr für Leben besteht, kann meine Verschwiegenheit daher Grenzen haben. Mehr dazu auf der Seite Honorar und häufige Fragen.
Gesundheitsdaten sind nach der Datenschutz-Grundverordnung besonders geschützt (Art. 9 DSGVO). Dazu können auch Name und Termine gehören, sobald sie zeigen, dass jemand in einer Praxis behandelt wird.
Wenn Sie Ihren Therapeuten privat kennen
Schwieriger wird es, wenn Sie sich schon vorher kennen, etwa aus dem Verein, der Nachbarschaft oder dem Freundeskreis. Fachleute sehen solche Doppelbeziehungen kritisch, weil sie die Therapie belasten können (Burgard, 2013). Sagen Sie es deshalb gleich im ersten Gespräch. Manchmal ist eine andere Praxis die bessere Wahl. Welche Möglichkeiten es in Rosenheim gibt, zeigt der Beitrag Psychologe, Psychotherapeut oder Heilpraktiker für Psychotherapie: Wer passt zu mir?
Weitere Fragen zur Diskretion
Rechnung und Krankenkasse: Wenn Sie selbst zahlen, geht keine Abrechnung an Ihre gesetzliche Krankenkasse. Reichen Sie Rechnungen bei einer privaten Versicherung ein, erfährt diese die Angaben darauf. Gesundheitsfragen, die eine Versicherung beim Vertragsabschluss schriftlich stellt, etwa bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung, müssen Sie trotzdem wahrheitsgemäß beantworten (§ 19 VVG). Mehr dazu steht im Beitrag zur privaten Psychotherapie.
Online-Sitzungen: Wer den Weg in die Praxis nicht jedes Mal gehen möchte, kann nach der Erstanamnese in der Praxis nach Absprache im Einzelfall auch online arbeiten. Mehr dazu auf der Seite Online-Psychotherapie.
Bewertungen: Eine Online-Bewertung ist öffentlich und kann zeigen, dass jemand in Behandlung war. Ob Sie das möchten, entscheiden nur Sie.
Termine: Wenn Ihnen bestimmte Zeiten lieber sind, weil Sie dann niemanden aus Ihrem Umfeld treffen, sprechen Sie das bei der Terminvereinbarung an.
Der erste Schritt bleibt Ihre Entscheidung
Die Sorge, gesehen zu werden, ist verständlich. Sie muss Sie aber nicht davon abhalten, sich Unterstützung zu holen. Wenn Sie wissen möchten, wie das bei mir konkret aussieht, fragen Sie einfach im kostenlosen telefonischen Erstgespräch von 15 bis 20 Minuten. Sie können es online buchen. Mehr über meine Praxis für Psychotherapie in Rosenheim (HeilprG) finden Sie auf der Startseite.
Häufige Fragen zu Diskretion in der Therapie
Grüßt mich mein Therapeut, wenn wir uns in der Stadt begegnen?
Viele Therapeuten warten, bis Sie zuerst grüßen, um Ihre Vertraulichkeit zu schützen. In meiner Praxis bespreche ich mit jeder Klientin und jedem Klienten einzeln, ob sie oder er draußen gegrüßt werden möchte oder nicht.
Erfährt jemand von mir, dass ich in Behandlung bin?
Von mir nicht. Meine Verschwiegenheit gilt auch für die Tatsache, dass Sie in Behandlung sind. Grenzen kann sie haben, wenn ein Gericht oder eine Behörde rechtlich verbindlich Auskunft verlangt oder Gefahr für Leben besteht. Einzelheiten stehen auf der Seite Honorar und häufige Fragen.
Erfährt meine Krankenkasse von der Therapie, wenn ich selbst zahle?
Ihre gesetzliche Krankenkasse bekommt keine Abrechnung. Wenn Sie Rechnungen bei einer privaten Versicherung einreichen, erfährt diese die Angaben darauf. Gesundheitsfragen von Versicherungen müssen Sie trotzdem wahrheitsgemäß beantworten.
Was mache ich, wenn ich meinen Therapeuten privat kenne?
Sagen Sie es gleich im ersten Gespräch. Dann lässt sich klären, ob eine Therapie trotzdem passt oder ob eine andere Praxis besser ist.
Ist eine Begegnung außerhalb der Praxis schlimm für die Therapie?
In der Regel nicht. Solche Begegnungen sind gerade in einer Stadt wie Rosenheim normal. Wenn sie Sie beschäftigt, sprechen Sie sie in der nächsten Sitzung an.
Disclaimer
Dieser Artikel dient ausschließlich der neutralen Information und psychologischen Aufklärung. Er ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische oder psychotherapeutische Diagnostik, Beratung oder Behandlung. Wenden Sie sich bei gesundheitlichen oder psychischen Beschwerden stets an einen qualifizierten Arzt, Heilpraktiker für Psychotherapie oder approbierten Psychotherapeuten. In akuten Krisen erreichen Sie den Krisendienst Psychiatrie Oberbayern rund um die Uhr unter 0800 655 3000, bei Lebensgefahr die 112.